Die Vorfreude war gross, als wir am Donnerstag, dem 7. Mai 2026, unsere Segelflugzeuge aus den Anhängern nahmen, montierten und uns auf den ersten Wertungstag vorbereiteten. Vor dem Start trafen sich alle Teilnehmer um 10:00 Uhr zum täglichen Briefing, bei dem Informationen zum Wettbewerb, zum Flugplatz Montricher sowie zur Wetterlage bekanntgegeben wurden. Trotz wechselhaftem Wetter mit einzelnen Regenschauern war das Fliegen möglich.

Insgesamt nahmen zwölf Juniorenpiloten am jährlichen Streckenflugwettbewerb teil. Nach dem Meteobriefing wurde eine 120-km-Aufgabe im Mittelland ausgeschrieben. Kurz darauf standen die Segelflugzeuge startbereit auf der Piste.

Der Start verlief trotz leichtem Regen problemlos und schon bald begann das Rennen. Die Strecke führte vorbei über Lausanne über Gruyère bis nach Freiburg zur ersten Wende. Während der Hinflug sehr gut verlief, wurde der Rückflug anspruchsvoller. Mehrmals musste ich mich aus tiefer Höhe wieder nach oben arbeiten, was meine Durchschnittsgeschwindigkeit für die Aufgabe senkte.

Die Aufgabe konnte ich erfolgreich beenden, jedoch erreichte ich die vorgeschriebene Zielhöhe nicht ganz und erhielt dafür Strafpunkte. Da die verbleibende Höhe nicht mehr für den Flugplatz Montricher ausreichte, entschied ich mich für eine sichere Aussenlandung auf einem Feld in der Nähe vom Flugplatz. Die Rückholung verlief schnell und unkompliziert, und am Ende des ersten Tages durfte ich mich über den 4. Rang freuen.

Wie anspruchsvoll die Wetterbedingungen waren, zeigte sich auch daran, dass lediglich vier Piloten die Aufgabe vollständig absolvieren konnten. Für die übrigen Teilnehmer endete der Flug mit einer Aussenlandung im Feld.

 

Einmal um den Flugplatz Payerne

Am Freitag konnten wir mit besseren Bedingungen rechnen, weshalb bereits vor dem Briefing wieder alle Segelflugzeuge montiert waren. Beim Briefing wurde eine spannende 260-km-Aufgabe ausgeschrieben, die rund um den Luftraum des Militärflugplatzes Payerne führte.

Schon früh bildeten sich die ersten Cumuluswolken, gleichzeitig waren aber auch einzelne Schauer über dem Jura sichtbar. Nachdem alle Segelflugzeuge gestartet waren, wurde die Startlinie eröffnet. Ich entschied mich für einen frühen Start, da sich ein gutes Wetterfenster abzeichnete.

Nach dem Start beim Lac de Joux führte die Strecke zunächst zur ersten Wende bei Les Rousses. Anschliessend flog ich dem Jura entlang weiter bis zum Chasseral, wo sich der zweite Wendepunkt befand. Mit genügend Höhe querte ich danach ins Mittelland Richtung Freiburg zur dritten und letzten Wende. Dort fand ich guten Anschluss und kam zügig Richtung Lausanne voran.

Nach der letzten Wende setzte ich zum Endanflug an und erreichte den Zielkreis mit ausreichender Reservehöhe. Bei der Landung in Montricher wurde ich sogar mit Alphornklängen empfangen. Auch am zweiten Wertungstag durfte ich mich über den 4. Rang freuen.

Kampf um den 3. Rang

Bereits am Donnerstag war klar, dass der Samstag der beste Streckenflugtag des Wettbewerbs werden würde. Die Thermikprognosen sahen vielversprechend aus und alle freuten sich auf eine anspruchsvolle Aufgabe. Da für Sonntag kaum fliegbare Bedingungen vorhergesagt wurden, war dieser Wertungstag besonders wichtig für die Gesamtwertung.

Für die ausgeschriebene 350-km-Aufgabe war mein Ziel deshalb klar: ein solider Flug, um mich in der Gesamtwertung noch auf den dritten Platz zu verbessern. Dabei musste ich meine Flugstrategie gut einteilen, denn im Gegensatz zu den anderen Piloten konnte ich kein Wasser mitnehmen. Mir war bewusst, dass ich an einem so guten Tag leistungsmässig kaum mit den schnellsten Piloten mithalten konnte. Gleichzeitig wusste ich aber auch, dass ich nicht die höchste Punktzahl des Tages brauchte, um den angestrebten Podestplatz zu erreichen.

Der Start verlief gut und ich konnte lange gemeinsam mit anderen Piloten fliegen. Mit der Zeit machte sich der Nachteil jedoch bemerkbar und ich konnte das hohe Tempo nicht mehr ganz mitgehen. Die Strecke führte erneut über den Lac de Joux zur ersten Wende bei Les Rousses und anschliessend Richtung Weissenstein. Bis zur letzten Wende bei La Chaux-de-Fonds verlief der Flug sehr gut. Dort zog jedoch zunehmend Abschattung auf und die Thermik wurde deutlich schwächer. Den letzten Bart musste ich lange suchen und erreichte Montricher schliesslich mit Umweg sicher.

Auch der Endanflug verlief nicht optimal und ich war unsicher, ob mein Ergebnis für den dritten Gesamtrang reichen würde. Umso grösser war die Freude am Abend: Der 7. Rang am dritten Wertungstag genügte, um mich in der Gesamtwertung auf den hervorragenden 3. Platz zu bringen.

Letzter Tag JSM 2026

Die Vermutungen über einen nicht fliegbaren Sonntag bestätigten sich beim Briefing um 10:00 Uhr. Zu viele Wolken und ein nur sehr kurzes Thermikfenster am Nachmittag machten eine sinnvolle Wettbewerbsaufgabe unmöglich.

So fand nach dem Briefing bereits die Rangverkündigung statt, bei der alle Teilnehmer für ihre Leistungen ausgezeichnet wurden.

Die Junioren-Schweizermeisterschaft 2026 war für mich der bisher erfolgreichste Wettbewerb. Ich konnte mich im Bereich Wettbewerbsflug weiterentwickeln und viele neue Erfahrungen sowie Strategien für zukünftige Wettbewerbe sammeln. Besonders die anspruchsvollen Wetterbedingungen machten den Wettbewerb spannend und forderten die fliegerischen Fähigkeiten aller Piloten.

Der Wettbewerb in Montricher war hervorragend organisiert und es fehlte uns an nichts.

Motiviert blicke ich nun auf weitere spannende Streckenflüge und auf den nächsten Wettbewerb – die Regionalmeisterschaft in Schaffhausen Anfang Juli.

Stefan Gertsch, Sg Säntis